(Max Sievers) Es gibt CDs, die gehören in eine gute Salsasammlung einfach hinein. Es gibt aber auch Produktionen, die gehören nicht nur schnöde ins CD-Regal, sondern in ein Schatzkästchen, in Samt gehüllt. Für besondere Anlässe, wie die beste Flasche Wein, die man öffnet, um sich selbst und Freunden etwas Gutes zu gönnen.Ein solches Schätzchen ist Cuba Libre. Es ist eine Liebeserklärung Willy Chirinos an die Musik seiner Heimat, Cuba. Auch wenn er in den USA lebt, ein Cubaner bleibt ein Cubaner, egal, wo er sich gerade aufhält. Seine Hommage an Son, Guajira, Guaguanco, Danzon und Cha Cha Cha ist so zeitlos, wie die Musik selbst. Mit Cuba Libre hat sich Chirino vieler bekannter Melodien angenommen und sie in ein neues Gewand gehüllt. Edler Musikstoff, gewebt nach traditionellen Mustern, zugeschnitten und geschneidert mit einigen der bekanntesten Künstlern der Szene, die an der Klasse dieser CD einen großen Anteil haben.
Das Duett über die Schönheit der Insel mit Celia Cruz (Cuba que lindos son tus paisajes), das Trompetensolo von Arturo Sandoval bei Cuba Linda (Gänsehaut garantiert!) und Chirinos Version des Erdnussverkäufer (El Manisero) sind für mich Meilensteine unserer Musikwelt. Und sogar für die Guantanamera schneidert Chirino ein neues Gewand. Von vielen Künstlern mittlerweile verschmäht, bekommt das Lied bei ihm auf einem roten Teppich einen, hoffentlich nicht letzten, großen Auftritt. Wie einige andere Kollegen, war die Dame aus Guantanamo schon etwas in die Jahre gekommen und ist fast zum Gassenhauer geworden. Willy Chirino lässt diese Garde wieder im alten bzw. neuen Glanz erscheinen, evtl. sogar noch etwas schöner als sie früher schon waren. Also eine CD mit alten, liebgewonnenen Freunden, die jedem Liebhaber cubanischer Musik schon einmal über den Weg gelaufen sind … aber eben fein herausgeputzt.
Alle diese Lieder, die, wie Chirino selbst sagt, die Cubaner in ihrer DNA tragen, sind hervorragend produziert und es gibt wenige CDs, die solch eine große Vielfalt an Musik bieten. Eine enorme Bandbreite traditioneller, cubanischer Musik, auf höchstem Niveau gespielt. Penibel arrangiert und abgemischt und doch mit viel Spaß und Spielfreude, sonst wäre es ja auch nicht wirklich cubanisch.
Im dazugehörigen Booklet erzählt uns Chirino noch etwas zu den verschiedenen Musikstilen und über sich selbst. Durchaus interessant, wenn man immer schon einmal wissen wollte, was denn nun Danzon von Guaracha unterscheidet und … wenn man entweder Spanisch oder Englisch versteht.
Das Einzige, was mich irritiert, ist die (etwas versteckte) Bacardi-Fledermaus auf dem Cover. Wir trinken doch alle Havana Club, oder? Aber auch dieses Detail hat wohl einen speziellen Grund.
Den musikalischen Genuss schmälert dies allerdings nicht und wenn die CD nach dem Hören wieder in ihrem Schatzkästchen schläft, schön zugedeckt, sieht das ja auch niemand.
Max
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